Blickwechsel ·

Die Psychologie des Doppellebens: Machtabgabe & Domina

Warum suchen erfolgreiche Männer den Kontrollverlust beim Domina-Besuch? Ich kann dir zumindest sagen, wieso ich das getan habe.

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Wir Menschen sind eine spannende Erscheinung. So unterschiedlich wir sind, so sehr ähneln sich am Ende doch unsere Bedürfnisse. Und unter allen Bedürfnissen, die wir als Menschen haben, steht eines wohl im Zentrum: Sicherheit. Unser gesamtes Leben dreht sich um dieses eine zentrale Bedürfnis. Und wichtig dabei ist, dass wir diese Sicherheit in den zwei großen Bewegungen des Lebens – dem Freiheitsdrang, also dem Autonomiebestreben und dem Bedürfnis nach Bindung zu anderen Artgenossen – erfahren. Darin sind wir alle gleich.

Auf die eine oder andere Art wird den allermeisten von uns dieses Bedürfnis irgendwann nicht in ausreichendem Maß gewährt. Und meistens passiert das eher früher als später und eher häufiger als selten. Und an dieser Stelle wird es interessant.

Die Strategien, die wir Menschen entwickeln, um dieses Sicherheitsempfinden (vermeintlich) zu erhalten, sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Während manche Menschen in die Unsichtbarkeit gehen, werden andere hoch aggressiv. Manche werden die klassischen „People-Pleaser“, andere versuchen Macht und Dominanz auszuüben.

Was alle diese Strategien gemein haben, ist, dass sie von der Idee getragen werden, ein ganz bestimmtes Selbstbild in den Köpfen der Mitmenschen zeichnen zu wollen. Das ist es, was die ganze Energie zieht. Das ist es, was das Nervensystem unter Strom hält. Rund um die Uhr. Das ganze Jahr lang.

Insbesondere unter Unternehmern und High-Performern findet man häufig Menschen, deren Strategie darauf aufbaut, in den Köpfen ihrer Mitmenschen als der Macher, der Problemlöser, und der, der keine Bedürfnisse hat zu erscheinen. Die Performance-Maschine. Kalkuliert. Rational. Kühl oder lässig – „Mr. Untouchable“.

Meine persönliche Strategie war die des Verständnisvollen. Des Gerechten. Smart. Kompetent. Gelassen. Doch in mir brannte das Feuer. Und es brannte lichterloh. Wenn ich in Meetings saß und normale, sachbezogene Dinge sagen wollte / musste, ist es nicht selten vorgekommen, dass in mir der absolute Krieg tobte. Was, wenn ich mich blamieren würde, wenn ich komisch oder inkompetent herüberkäme? Mein Herz schlug teilweise so schnell und mein Körper war so voller Adrenalin, dass ich Kopfschmerzen bekam. Es fiel mir schwer klar zu denken - was in der Softwareentwicklung nicht gerade hilfreich ist.

Nicht zuletzt das war der Grund, wieso ich mir viele Nächte mit Cannabis, Pornografie und Computerspielen um die Ohren schlug.

Oftmals bin ich in diesem Zustand bereits aufgewacht. Obwohl ich 8 Stunden oder länger geschlafen hatte, fühlte ich mich wie vom Lastwagen überfahren. Dann bin ich durch die halbe Bundesrepublik zu meinen Kunden und Auftraggebern gefahren. Manchmal, wenn auch nur sehr selten, bin ich, bevor ich beim Kunden war, noch zu einer Escort-Dame gefahren (normalerweise habe ich diese Dinge eher abends getan). Das gab mir zumindest kurzzeitig etwas Entspannung in mein System.

In meinen Mittzwanzigern bin ich aus diesem Stressmodus kaum noch herausgekommen. Schon in frühen Teenager Jahren keimte in mir eine tiefe Faszination für die Rotlichtszene, für Pornografie und das Ungewöhnliche. Besonders angetan war ich in diesem Kontext von weiblicher Dominanz.

Sicherlich gibt es für unsere Begehren tiefenpsychologische Erklärungsansätze, ich bin jedoch generell kein Freund vom Pathologisieren. Die Dinge sind, wie sie sind. Mir geht es in diesem Artikel nicht um Moral oder Diagnosen. Es ist für den Hintergrund jedoch wichtig zu verstehen, dass ich aufgrund von enormen finanziellen Engpässen in meiner Kindheit und frühen Jugend sehr wenig finanzielle Mittel zur Verfügung hatte. Nicht zuletzt das war der Grund, wieso ich immer auf der Jagd nach mehr wirtschaftlichem Erfolg war.

Als ich dann beruflich erfolgreicher wurde, war ich also endlich in der Lage, mir den Traum des Domina-Besuchs zu ermöglichen.

Ich dachte fast zwei Wochen an nichts anderes, während ich im Großraum Büro bei meines Auftraggebers saß und innerlich wusste, dass ich den Entschluss gefasst hatte, es nun endlich zu tun war mein Nervensystem – wie immer – auf 180. Als die gesteigerte Vorfreude, gepaart mit Neugierde und Angst vor dem Treffen hinzukam, wurde der Druck im Kopf fast nicht auszuhalten.

Dann wusste ich es: Heute ist es soweit. Heute werde ich es tun. Ich wusste schon, welche Dame es sein wird. Das Einzige, was noch passieren könnte, wäre, dass sie keine Zeit hätte.

Ich schrieb ihr also über ihre Website. Sie antwortete. Mein Herz schlug noch schneller als sonst. Ich erinnere mich noch daran, wie mich ein Kollege ansprach und irgendetwas projektbezogenes fragte. Ich weiß nicht mehr, was ich antwortete, nur noch, wie ich mich gefühlt hatte. Irgendetwas zwischen Leere und kompletter Überforderung. Heute Abend wird es so weit sein.

Ich fuhr nach Feierabend also zu ihr. Es war ein kalter Novemberabend. Als ich vor ihrer Tür stand, war mein System am Limit. Mehr Stress kann ein Körper vermutlich nicht aushalten. Ich konnte kaum schlucken, kaum Luft holen. Ich klingelte. Sie öffnete.

Als sie mich ansprach, fiel die erste große Last ab. Sie war einfach eine normale Frau. Freundlich, herzlich, nahbar. Ich gab ihr das Geld, wir wechselten ein paar Sätze und besprachen etwas das „Programm“. Dann ging es los...

Ich verzichte an dieser Stelle auf die genauen Beschreibungen. Wichtig ist, dass mein Nervensystem bis zum Ende des Treffens immernoch sehr aktiviert war – wenn es auch seit der Begrüßung eine positive Aktivierung war. Ich war sehr aufgeregt aber eines war weg: Der Drang, in ihrem Kopf ein gewisses Bild von mir zeichnen zu müssen. Ich lies mich fallen. Ich war frei. Und dennoch verbunden – mit ihr. Nicht, dass zwischen uns die große Liebe gewesen wäre. Es war Akzeptanz.

Als ich heimfuhr, war mein Nervensystem in totaler Entspannung und Glückseligkeit.

Was mir rückblickend am meisten daran gefiel, war nicht das Programm und das Spiel mit der Dominanz und Unterwürfigkeit. Es war die Tatsache, dass ich keine Rolle performen musste, dass ich hier keine Fehler machen konnte.

Damals war ich nicht in der Lage zu erkennen, dass ich dieses Gefühl – dass ich einfach ich sein darf – auch im Alltag haben kann. Dass es der Normalzustand sein kann. Dass ich meine Bedürfnisse kommunizieren darf. Auch unter den sogenannten High-Performern. Insbesondere dort.

Die Domina-Besuche schenkten mir etwas, das ich vorher nicht erwartet hatte: Einen Blickwechsel.

Heute weiß ich, dass diese Besuche ein genialer, aber teuer erkaufter Schutzmechanismus meines Systems waren. Sie waren die einzige Oase, in der der permanente Hochdruck in meinem Kopf für ein paar Stunden nachlassen durfte.

Wenn du das hier liest und dich in meinen Worten wiedererkennst, möchte ich dir eines sagen: Du musst dieses Doppelleben nicht alleine tragen. Und du musst dich nicht länger dafür schämen. Die Strategien, die du entwickelt hast, um den Druck deines Alltags auszuhalten – seien es Substanzen, verheimlichte Sehnsüchte oder das ständige Performen der „Perfekt-funktionierenden-Maschine“ – haben einen Grund. Aber sie kosten dich jeden Tag unendlich viel Lebensenergie.

Ich habe diesen Weg hinter mir. Ich kenne diesen Weg nicht nur aus Büchern oder aus Gesprächen mit Klienten. Ich kenne ihn aus meinem eigenen Leben. Ich begleite dich auf Augenhöhe dabei, diesen Stressmodus endlich dauerhaft zu verlassen. Damit das Gefühl, einfach du selbst sein zu dürfen, nicht mehr auf wenige, heimliche Stunden beschränkt bleibt, sondern zu deinem Normalzustand im Alltag wird. Wenn du möchtest, kannst du diese Dinge danach auch weiterhin tun. Der Unterschied ist: Du musst sie nicht mehr tun.

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