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Fetische & Kinks: Wenn Scham, Crossdressing und BDSM zum Ventil werden

Fetische, Crossdressing und BDSM waren für mich lange gleichzeitig Lust, Entlastung und Quelle von Scham. In diesem persönlichen Beitrag geht es darum, wie sexuelle Fantasien zum Ventil für inneren Druck werden können – und warum nicht der Kink selbst das eigentliche Problem sein muss.

Ole Hoppe

Ole Hoppe

Coach für Scham, Sexualität und verborgene Seiten

Als mein Leben nach außen immer stabiler wurde

Ich arbeitete zu dieser Zeit als Freelancer im Web-Entwicklungs-Bereich und war für ein Software-Projekt eines Finanzdienstleisters in Süddeutschland gebucht. Ich war damals schon einige Jahre in diesem Feld aktiv und fühlte mich fachlich mehr und mehr sattelfest. Auch finanziell nagte ich sprichwörtlich nicht mehr am Hungertuch – im krassen Gegensatz zu meiner Zeit als Jugendlicher und in meinen Anfang 20ern.

Ich war Mitte 20. Und wie ich bereits in meinen anderen Blog-Beiträgen darlegte, war das genau die Zeit, in der meine innere Spannung immer mehr zunahm. Mein Cannabis-Konsum hielt sich aufgrund der langen Autofahrten, die ich täglich gefühlt durch die halbe Bundesrepublik machen musste, damals relativ in Grenzen. Ja, ich kiffte täglich. Aber der Konsum war mit schätzungsweise drei Tüten pro Abend für meine Verhältnisse sehr überschaubar.

Gerade jetzt, während ich hier sitze und diese Zeilen schreibe, wird mir bewusst: Vermutlich war auch dieser „geringe“ Cannabis-Konsum ein Grund dafür, wieso ich eben in genau dieser Zeit einen immer stärkeren Drang in Richtung meiner sexuellen Phantasien verspürte. Wenn das eine Ventil kleiner wird, sucht sich das System ein anderes.

Sowohl in den Pornos, die ich schaute, als auch in meinen „Rotlicht-Aktivitäten“ spielte Soft-BDSM – also die Richtung verbale Dominanz, Machtabgabe und Demütigung – immer schon eine zentrale Rolle. Das hat mein Herz buchstäblich bis zum Hals schlagen lassen. Auch jetzt noch, wenn ich daran zurückdenke, steigt mein Puls etwas. Einerseits, da diese Erfahrungen ja durchaus etwas sehr Spannendes, Intensives hatten. Andererseits, weil natürlich auch in mir noch Anteile sitzen, die sich fragen: Was denkst du, der du diesen Text jetzt liest, wohl über mich?

Nach außen funktionierend, nach innen kollabierend

Es war also wieder so ein Tag, an dem ich vor lauter Druck nicht klar denken konnte. Zu viel Stress im System. Mein Kopf war einerseits noch „verklebt“ vom Cannabis des Vorabends. Auf der anderen Seite stand mein Nervensystem, das damals quasi permanent unter Dauerstrom lief, unter enormem Druck. In den Meetings spürte ich meinen eigenen Puls an der Schädeldecke, während ich versuchte, den Gesprächen zu folgen. Ich musste mich unglaublich fokussieren, um wenigstens ein bisschen was Mehrwertstiftendes beizutragen.

Da ich allerdings rhetorisch schon immer gut war und meine Königsdisziplin das „Erspüren von Stimmungen“ im Raum war, gelang es mir in diesen Phasen perfekt, durch gezielt platzierte Situationskomik stets den Anschein zu wecken, dass mit mir alles in Ordnung sei. Der klassische High-Performer: Nach außen funktionierend, nach innen kollabierend.

Nach dem Meeting ging ich mit einem Kollegen, den ich sehr schätzte, in die Küche und trank einen Kaffee. Auch hier fiel es mir schwer, dem Gespräch wirklich zu folgen. Innerlich stand die Entscheidung längst fest: Für heute Abend werde ich wieder einen Domina-Termin buchen. Ich ging kurz raus, um eine Zigarette zu rauchen, und rief ein Studio an, bei dem ich zuvor noch nicht gewesen war. Ich war super nervös, aber absolut entschlossen.

Zurück am Arbeitsplatz versuchte ich noch einige Stunden lang, mehr oder weniger konzentriert Code zu schreiben. Gegen 20 Uhr fuhr ich los.

Ein Abend, an dem der Druck plötzlich verschwand

Als ich dort ankam, empfing mich eine Kollegin der Lady. Sie führte mich in einen Raum und teilte mir mit, dass die „Mistress“ gleich kommen würde. Ich solle mir schon mal überlegen, was ich will und was nicht. Sie gab mir einen Block und einen Stift, damit ich meine Tabus aufschreibe. Das hatte ich in der Form auch noch nicht erlebt.

Der Raum war sehr sauber und roch leicht nach Putzmittel. Es stand ein schwarzes Ledersofa am Fenster, davor ein Tischchen und gegenüber eine kleine Kommode. An der Wand hingen einige Peitschen, Stiefel und einiges an Kink-Spielzeug.

Nach einigen Minuten kam die Lady herein. Sie begrüßte mich locker und offen, sagte dann aber, sie müsse mir etwas beichten: Ich hätte am Telefon so unsicher geklungen, dass sie dachte, ich würde nicht erscheinen. Daher habe sie den Termin doppelt belegt. Meine sexuelle Aufregung war von jetzt auf gleich weg – ersetzt durch tiefe Enttäuschung.

Dann fragte sie mich, ob es für mich in Ordnung wäre, wenn wir unsere Session im Raum nebenan machen. Ein anderer Mann würde dort, auf einen Bock gefesselt und mit Blick zur Wand, unsere Session bezeugen. Er würde mich nicht sehen können, uns nur hören. Darauf würde er stehen. Direkt ging mein Puls wieder auf 180.

Ich war so nervös, dass mein Mund trocken wurde. Ich antwortete, dass das für mich okay sei. Sie sagte „super“ und nahm meinen Zettel mit den Tabus an sich.

Kurze Zeit später kam sie wieder herein. Sie legte mir zwei rote, halterlose Damenstrümpfe, die nach Waschmittel rochen, und ein paar Lederstiefel hin. In herrischem Ton sagte sie: „Die wirst du dabei tragen.“

Das Gefühl von Scham, das mich in diesem Moment direkt umarmte, war mindestens genauso intensiv wie die Erregung, die sich von Innen durch meinen ganzen Körper zog. Dieser Rausch, den ich nun im Nervensystem spürte, dieses Gefühl des absoluten Kontrollverlusts durch die visuelle Verweiblichung – das war mit nichts vergleichbar, was ich sonst im Leben erfahren hatte. Es war, als wären mein Kopf und ich in eine andere Galaxie gebeamt worden.

Um den Fokus dieses Artikels nicht zu verlieren, überspringe ich den Rest der Session. Bis zu dem Moment, als ich aus der Tür des Studios in die kühle Nacht lief, in Richtung meines Autos.

Keine Vergangenheit. Keine Zukunft. Nur Hier. Nur Jetzt.

Ich fühlte mich plötzlich leicht. Frei. Geerdet. Zufrieden. Dieses Erlebnis war so intensiv, dass ich für diesen Zeitraum komplett meinem Leben entfliehen und den Druck vergessen konnte. Keine Altlasten. Keine Vergangenheit. Keine Zukunft. Nur Hier. Nur Jetzt.

Damals konnte ich noch nicht sehen, dass es genau das war, was die Entspannung am Ende brachte: Das radikale Gezwungen-Sein in den gegenwärtigen Moment.

Das Beispiel zeigt schön: Ich war damals nicht primär von der Aktivität im Studio abhängig. Es war mein überreiztes, chronisch aktiviertes Nervensystem, das im Alltag einfach keinen anderen Weg mehr fand, um zur Ruhe zu kommen.

Das Doppelleben wurde selbst zum Teil des Drucks

Auch wenn es seinen eigenen Reiz hatte, dass niemand auf der Arbeit und in meinem privaten Umfeld wusste, was ich da tat, hatte dieses Doppelleben doch überwiegend einen isolierenden Charakter. Und diese Isolation erzeugte hintenherum nur noch mehr Spannung.

Die Kinks und Fetische an sich waren nicht das Problem. Die Angst vor der Stigmatisierung, die Panik davor, ausgelacht, entdeckt und beschämt zu werden, hingegen schon. Daher behielt ich diese Dinge – genau wie meine Erfahrungen im Crossdressing und der heimlichen Feminisierung – jahrelang komplett für mich.

Wenn der Kink nicht das eigentliche Problem ist

Wenn ich mich an die Momente in meinem Leben erinnere, in denen mein Nervensystem vollkommen entspannt und herunterreguliert war, hätte ich mich zu solchen Aktivitäten nicht hingezogen gefühlt. Allerdings in diesen Momenten auch nicht zu „normalem“ Sex. Auch nicht zu einer Tasse Kaffee oder einem schönen Lied.

Sind deswegen Sex, Kaffee und Lieder etwas Schlechtes? Dem würde ich entschieden widersprechen. Und genau so wenig sind es Dominas, Fetische, Crossdressing oder Kinks.

Entscheidend ist, ob wir diese Dinge tun müssen, um uns psychisch zu regulieren (so wie es bei mir in dem beschriebenen Szenario definitiv war), oder ob wir sie tun, um sie frei zu genießen. Wie den warmen Kaffee morgens auf der Terrasse, während man die kühle Luft auf der Haut spürt.

Zwischen Genuss und Kompensation

Wenn du dich für deine Vorlieben schämst, wenn du ein heimliches Doppelleben führst oder wenn deine Kinks (wie Sissification, Crossdressing oder Machtabgabe) zu einem reinen Kompensationsmittel gegen den Druck im Job geworden sind: Du bist damit nicht allein. Und du musst diesen inneren Druck nicht länger alleine tragen.

Ich kann dich dabei unterstützen, Klarheit in deinen Kopf und deine Emotionen zu bekommen. Ich will dir deine Kinks nicht ausreden. Ich pathologisiere diese Dinge nicht. Ich will, dass dein System diesen extremen Druck nicht mehr braucht, damit du wieder frei entscheiden kannst, wann du was tun möchtest – und dass du es schaffst, die Scham abzulegen.

Sich zeigen können, ohne sich dafür zu verurteilen

Ich kenne kein schöneres Gefühl, als das, angenommen zu werden. Mit allem, was dazugehört – doch dazu müssen wir in der Lage sein, uns zeigen zu können.

Ich habe das intensive Spannungsfeld zwischen Be- und Entlastung im Zusammenhang mit diesen Tabus am eigenen Leib erfahren. Über viele Jahre hinweg. Ich weiß, wie tief die Scham sitzt – und ich weiß, wie der Weg heraus in die Freiheit aussieht.

Mach dir über Diskretion keine Gedanken. Unser Gespräch bleibt absolut vertraulich.

Wenn du bereit bist, den Druck zu senken: Lass uns sprechen. Ganz unverbindlich.

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