Blickwechsel ·
Nur du weißt, wozu du fähig bist
Egal, wie lange du dich versteckt hast. Egal, wie lange manche deiner Seiten im Schatten geduldig, ja sehnsüchtig darauf warteten, endlich das Licht der Welt zu sehen. Du kannst sie in jedem Moment des Lebens zum Vorschein bringen.

Ich hatte immer Angst, dass manche Entscheidungen mir „alles verbauen“. Was würden die Leute denken, käme heraus, was ich am Wochenende tat. Was, wenn meine verschiedenen „Welten“ aufeinander träfen?
Ein Leben - drei Masken
Ich erinnere mich, wie ich nach einem mehrtägigen Seminar in Düsseldorf in einem Luxushotel wieder in Darmstadt war. Noch am Tag zuvor hatte ich mit Millionären gegessen (ich selbst war zu diesem Zeitpunkt noch ganz am Anfang meiner „beruflichen Laufbahn“, Anfang 20), jetzt war ich auf dem Weg in eine ganz andere Welt. Ich würde mich in Kreisen, in denen besagte Millionäre vermutlich eher Angst vor möglichen Konflikten hätten, mit Gras eindecken.
Ich kannte viele dieser Jungs noch aus meiner Schulzeit. Es war eine völlig andere Welt als das Luxushotel und die Business-Kreise der Tage zuvor. Und es wäre mir nie in den Sinn gekommen, beide miteinander zu verbinden. Zu groß war die Angst vor einem Gesichtsverlust in allen Ebenen. Und dann war da noch das andere, immer präsente Thema...
Das Begehren nach gewissen sexuellen Erfahrungen, welche ich mir schon jahrelang in der Fantasie ausgemalt hatte, wurde immer stärker. Ich wollte viele Dinge probieren. Wie wäre es, eine Domina zu besuchen? Mich reizten Erfahrungen mit Transsexuellen, dem gleichen Geschlecht, Dreier oder Vierer. Ich wollte es einfach wissen.
Hätte jemand aus oben benannten Kreisen Zugriff auf die Historie der Pornos gehabt, die ich konsumiere, hätte ich mich in Grund und Boden geschämt (logischerweise existierte so eine Historie nicht, da ich das stets im Inkognito-Modus schaute, aber ich denke, du weißt, wie ich das meine). Bei den „Alpha Jungs“ hätte ich Angst gehabt, ausgelacht oder beschämt für meine sexuellen Fantasien zu werden. In den „Business-Kreisen“ wäre die Angst davor, als Straßen-Dealer abgestempelt zu werden größer gewesen. Also trug ich quasi drei Masken: Die Business-Maske, die Drogen-Maske und die Erotik-Maske.
Das innere Sterben
Je älter ich wurde, desto stärker wurde die Diskrepanz der drei Welten. Mittlerweile war ich recht etabliert als Software-Freelancer in vielen Deutschen Städten unterwegs und beobachtete mich dabei, wie ich - zwar bewusst, aber dennoch nur teilweise kontrolliert - anfing, immer mehr Anspielungen auf der Arbeit zu machen. Vor allem bezüglich sexueller Vorlieben. Gleichzeitig hatte ich unglaubliche Angst, dass ich etwas preisgeben würde, das unwiderruflich Dinge in Gang setzt, die quasi mein Leben zerstören würden. Zumindest fühlte es sich so an. Doch die Begehren verschwanden nicht. Gekifft habe ich auch immer noch in Unmengen (das konnte ich in IT Kreisen aber teilweise noch ganz gut kommunizieren). Und dann war da noch dieser immerwährende Wunsch, etwas ganz eigenes zu machen. Etwas Besonderes. Ich wusste nur nicht was.
Ich meine das nicht arrogant, wenn ich sage, dass ich schon immer wusste, dass ich recht smart bin. Doch wusste ich auch, dass meine Energie-Reserven massiv eingeschränkt waren. Ich dachte, das käme vor allem aufgrund des Doppel- und Dreifachlebens, das ich führte. Und das hat auch seine Rolle gespielt.
Viel zentraler war jedoch die Tatsache, dass ich tief in mir glaubte, ein ganz bestimmtes Bild in den Köpfen meiner Mitmenschen zeichnen zu müssen. Dass davon alles abhinge.
Nicht eine einzelne dieser Seiten kostete mich die meiste Kraft. Es war der permanente Versuch, dafür zu sorgen, dass sie sich niemals begegneten.
Und da dieses Bild natürlich nicht meinem eigentlichen Naturell entsprach, steuerte ich unweigerlich auf die Katastrophe zu. Tief in meinem Herzen spürte ich zwar, dass meine Fantasien und mein Verhalten insgesamt nicht krankhaft waren, aber ich konnte es dennoch nicht ans „Tageslicht“ bringen. Und das hielt mich ebenfalls davon ab, meinen wahren Visionen zu folgen.
Ich fing in der Folge an, meine Träume langsam abzutöten. Ich arrangierte mich damit, meine sexuellen Aktivitäten weitgehend geheim zu halten und beschränkte mich dann des weiteren - abgesehen von meiner Arbeit als Software-Entwickler - darauf, die Abende und Nächte kiffend und Computer spielend mit meinen alten Kiffer-Kreisen zu verbringen. Ich merkte, wie ich mich selbst innerlich immer weiter verlor. Zu dieser Zeit war ich in einer Festanstellung und beschäftigte mich in meiner Freizeit nur noch mit Kiffen, Sex, Computerspielen und aufgrund meiner mittlerweile größeren finanziellen Möglichkeiten mit Kapitalmärkten und Bitcoin.
Dadurch kam ich wieder in Kontakt mit Unternehmer Content auf Youtube und meine alten Träume flammten wieder leise auf. Aber ich war aufgrund meiner emotionalen Lage (abgesehen von meiner Arbeit) weitgehend energie- und handlungsunfähig.
Der Zusammenbruch
Wie der „Zufall“ so spielte, erhielt ich nach etwa fünf Jahren eine betriebsbedingte Kündigung, eine drei-monatige vorzeitige Freistellung bei vollen Bezügen und eine Abfindung. Ich sah das als eine Art Zeichen, nun meiner inneren Stimme zu folgen. Nach einigen Anläufen eine Selbstständigkeit im IT Bereich mit meinem Bruder aufzubauen, merkte ich jedoch, dass meine emotionalen Kapazitäten das nicht hergeben und dass mein Herz mich in eine andere Richtung zog.
Ich beschloss, diese innere Schwere und meine emotionale und psychische Lage nun zur obersten Priorität zu machen. Naiv wie ich war, dachte ich, dass ich in zwei Wochen schon wieder fit sein würde. Natürlich war dem nicht so.
Ich beschäftigte mich hunderte Stunden mit Bindungs- und Entwicklungstrauma, Psychologie, dem Nervensystem. Ich las viele Fachbücher, schaute permanent Videos zum Thema. Ich kaufte mir einen Kurs und war parallel noch in einem Mental Coaching Programm. Beides hat mir gute Einsichten gebracht, jedoch hat sich meine Lage immer weiter und immer schneller verschlechtert.
Dann kam der Tag-X. Es ging nichts mehr. Ich hockte in der Küche auf dem Boden und wusste, dass jetzt etwas grundlegendes passieren muss, oder ich „es nicht schaffen werde“. Da erinnerte ich mich an etwas, das ich bereits vor Jahren hörte: Ayahuasca. Ein Getränk, das ursprünglich von den Schamanen im Amazonas kommt. Der Hauptwirkstoff ist DMT. Ich hatte zuvor immer Angst davor. Ich hatte außer Cannabis, Alkohol und Zigaretten nie andere Drogen genommen. Ich hatte Angst, darauf „hängen zu bleiben“. Dennoch hörte ich einen inneren Ruf. Und ich hatte (gefühlt) keine andere Wahl. Ich erinnere mich noch, wie ich dachte: Scheiß drauf, dann bekomme ich eben eine Psychose.
Das ist nicht passiert. Dennoch möchte ich daraus ausdrücklich keine Empfehlung für Ayahuasca oder andere psychedelische Substanzen machen. Solche Erfahrungen können erhebliche psychische und körperliche Risiken haben und sind nicht für jeden Menschen geeignet. Das Setting, die Menschen und der persönliche Zustand haben erheblichen Einfluss auf solche Erfahrungen.
Da dieses Erlebnis allerdings so einschneidend für mich war, werde ich dem einen eigenen Artikel widmen. In dieser Nacht wurde mir vieles klar. Vor allem eins: Es gibt einen Ausweg. Und zu diesem will ich Menschen, die in einer ähnlichen Lage sind, unbedingt verhelfen.
Abschluss
Diese Perspektive hat meinem Leben eine andere Richtung gegeben. Nicht, weil seitdem alles leicht wäre. Sondern weil ich heute immer weniger das Bedürfnis habe, verschiedene Versionen meiner selbst voneinander getrennt zu halten.
Vielleicht gibt es auch in dir etwas, von dem bisher kaum jemand etwas weiß. Nicht nur sexuelle Wünsche oder Konsum. Vielleicht ist es eine Idee, eine berufliche Vision oder eine Version deines Lebens, die du dir bisher selbst nicht erlaubt hast.
Andere Menschen können nur auf Grundlage der Version von dir urteilen, die sie kennen.
Nur du weißt, was noch in dir steckt.
Und egal, wie lange bestimmte Seiten von dir im Verborgenen geblieben sind: Das bedeutet nicht, dass sie dort bleiben müssen.
Wenn du dich in einer Lebenslage befindest, in der du nach außen noch funktionierst, während es immer anstrengender wird, verschiedene Seiten deines Lebens voneinander getrennt zu halten, kannst du dich bei mir melden.
Vielleicht geht es bei dir um Konsum. Vielleicht um Sexualität, Leistung, Scham oder etwas, über das du bisher mit kaum jemandem gesprochen hast.
Du musst dich dafür bei mir nicht rechtfertigen. Und ich werde dir nicht erklären, welche Seiten von dir existieren dürfen.
Wenn du herausfinden möchtest, was dich heute noch zurückhält und wie wieder mehr Freiheit entstehen kann, würde ich mich freuen, dich kennenzulernen.
Ole