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Was darf nüchtern niemand über dich wissen? | Scham, Cannabis & geheime Sexualität

Auf der Arbeit gut rasiert, ordentlich gekleidet und verantwortungsvoll. Doch da ist noch mehr: „Verbotene“ Gedanken & schambehaftete Begehren – nächtlicher Konsum & verheimlichte Treffen. Ein Leben, das fokussiert auf den „Tag X“ zuläuft.

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Cannabis, Sex und heimliche Sehnsüchte: Wenn das Doppelleben beginnt

Die spätabendliche Sommersonne scheint durch die noch halb geöffnete Jalousie. Wir haben nach 20 Uhr und ich höre noch den letzten Kollegen, der in der Küche das Reinigungsprogramm des Kaffee-Vollautomaten startet und sich dann über den Flur verabschiedet. Ich bin gerade noch im Flow. Da ich gestern Nacht wieder bis tief in die Nacht Cannabis geraucht und Computer gespielt habe, war ich heute erst entsprechend spät im Büro. Außerdem musste ich noch über 100 km Auto fahren (die für den Heimweg auch noch vor mir liegen). Vormittags war ich mental noch halb gelähmt und erst am späten Nachmittag fing es an, dass ich wirklich produktiv wurde. Heute plane ich nicht vor 22:30 aus dem Büro zu gehen. Eigentlich fühle ich mich heute recht entspannt.

Dann, gegen 21:00 Uhr, kommt er wieder: Der Gedanke, dass ich ja eigentlich noch zu ihr fahren könnte. Sie nennt sich Monika, wobei das natürlich nicht ihr echter Name ist. Aber bei ihr konnte ich letztes Mal gut abschalten. Ich weiß, dass es ihr Beruf ist, aber bei ihr kann ich dennoch recht gut loslassen.

Der Flow, in dem ich noch bis vor zwei Minuten war, wird jetzt wieder durch dieses intensive Gefühl überrollt. Es zieht sich vom Solarplexus durch die Brust bis in den Kopf hinein. Der Kopf fängt wieder an zu drücken, die Gedanken werden schneller. Ich spüre meinen Puls im Kopf und im Hals. Ich weiß jetzt schon, dass mein Plan bis 22:30 konzentriert zu arbeiten, Geschichte ist. Ich versuche mich noch fünf Minuten zu zwingen, aber es ist hoffnungslos.

Ich hole das Handy heraus und schreibe ihr. Zuhause muss ich keine Ausrede erfinden, weil ich angekündigt habe, bis 22:30 im Büro zu bleiben (was ich auch tatsächlich geplant hatte). Zum Glück antwortet sie zeitnah. In meinem Kopf gehe ich die Route durch, die ich fahren muss, damit ich noch an einem Geldautomaten vorbeikomme. Ich kenne die Stadt nicht so gut – aber die „wichtigen“ Adressen und Routen lerne ich in jedem neuen Projekt immer zuerst kennen. Und natürlich fahre ich so vom Bürogebäude weg, dass man nicht erkennt, dass ich anstatt in Richtung Autobahn in die Innenstadt fahre.

Es kommt noch einmal kurz der Gedanke, ob das heute wirklich sein muss und ob ich nicht lieber heimfahren sollte. Aber der emotionale Druck ist so groß, dass ich diesen Gedanken sofort wieder verwerfe.

Cannabis und Sex als Selbstregulation: Wenn Konsum und Begehren zum Ventil werden

Es wäre noch besser, könnte ich vorher noch einen rauchen. Aber ich will nicht stoned Auto fahren. Also lasse ich es...

Als ich bei ihr ankomme, gehe ich noch kurz unter die Dusche. Abgesehen davon, dass sie mich in diesem Falle sowieso rausschmeißen würde, möchte ich auf keinen Fall, dass sie sich vor mir ekelt. Danach fangen wir ohne großen Smalltalk an. Ich habe fast den Eindruck, dass es wahre Leidenschaft ist, aber der Gedanke, dass sie gerade vermutlich daran denkt, dass sie morgen noch Kaffee einkaufen muss, lässt mich dennoch nicht los. Es ist nicht wirklich der Sex, der mich hier hergezogen hat. Er ist nur eine wichtige Zutat für das Gesamtpaket. Es geht mehr um das „Verbotene“, das Verruchte.

Auf dem Weg zum Auto spüre ich den mittlerweile etwas abgekühlten Abendwind. Auf der Autobahn bin ich dann recht entspannt, denke noch etwas an das vorhin Erlebte und habe ein wenig ein schlechtes Gewissen, dass ich die Arbeit nicht so weit gemacht habe, wie ich ursprünglich wollte. Egal, zuhause werde ich meine Feierabend-Joints rauchen und dann irgendwann schlafen gehen.

Am nächsten Tag, wieder auf der Arbeit, frage ich mich in einer Raucherpause mit einem Kollegen, was dieser wohl sagen würde, wüsste er, was ich gestern Nacht wieder getrieben habe. Gleichzeitig frage ich mich, wer von den Kollegen vielleicht ähnliche Dinge tut. Ich spiele den Kollegen nicht wirklich etwas vor. Ich bin schon meistens „ich selbst“, verschweige allerdings große Teile meines Innenlebens. Aus Scham und aus Angst, verurteilt zu werden.

Im privaten Umfeld erzähle ich das auch niemandem. Es gäbe zwar einen Bekanntenkreis, in dem ich Escort-Besuche vermutlich erzählen könnte, allerdings habe ich Angst, dass über Umwege Informationen in andere Bekanntenkreise geraten, die ich geheim halten will, da es (wenn auch geringe) Überschneidungen in den Bekanntenkreisen gibt.

Außerdem wissen zwei meiner Freunde über gewisse sexuelle Vorlieben, die ich habe, und ich befürchte, dass sie diese aus versehen hinausposaunen, wenn diese Themen zu oft ins Licht gerückt werden.

Die Psychologie des Doppellebens: Warum der innere Druck entsteht

Diese und viele weitere sehr artverwandte Geschichten habe ich zu Hauf erlebt. Und vermutlich kennst du das auch, wenn du diesen Artikel liest. Falls du dich in dem ein oder andere Punkt wiedererkennen kannst, mach dir folgendes bewusst:

Die Angst, dass die verschiedenen Bekanntenkreise von diesen Dingen erfahren, entspringt dem Drang, ein gewisses Selbstbild von dir in den Köpfen deiner Mitmenschen zu zeichnen. Der innere Druck entsteht, weil du die Katastrophe befürchtest, wenn diese Dinge herauskommen.

Wenn du in einer Partnerschaft lebst, ist es nachvollziehbar, dass du das alles verheimlichst. Ebenso auf der Arbeit. Und wenn du diese Dinge eben nicht aus einer „Scheiß-egal“ Haltung heraus machst (wovon ich ausgehe, wenn du immer noch liest), sondern aus diesem inneren Druck heraus, dann glaube ich dir, wenn du sagst, dass du deine Partnerin oder deinen Partner liebst. Dass du deine Arbeit gut machen willst.

Menschen, die solche inneren Konflikte selbst nie erlebt haben, können oft nur schwer nachvollziehen, wie stark dieser Druck werden kann. Menschen, die darin geschult sind, können es zwar verstehen, aber oft nicht nachempfinden.

Doch wenn du lange unter solchen Umständen lebst, wirst du merken, dass deine Ressourcen immer weiter abbauen. Vielleicht fühlt es sich mittlerweile so an, als wäre der „Tag X“, an dem alles auffliegt, nur eine Frage der Zeit. Wahrscheinlich ist dort auch eine Latente Angst, dass du aufgrund dieser Dinge potenziell unter Druck geraten könntest. Und das zermürbt dich...Doch das muss nicht so bleiben.

Scham überwinden: Ein geschützter Raum für Themen, über die kaum jemand spricht

Solltest du dich entscheiden, dich mir anzuvertrauen, werde ich niemals versuchen, dir diese Dinge auszureden. Weder den Konsum, noch die Sextreffen, noch etwaige Fetische. Genaugenommen müssen wir nicht einmal darüber sprechen, wenn du das nicht möchtest (auch wenn das alleine teilweise schon sehr entlastend sein kann).

Ich werde dir helfen, in deine innere Kraft zu kommen. Damit du freier entscheiden kannst, wem du wann was sagen möchtest – und wem nicht. Und noch viel wichtiger: Damit das Getriebensein endlich ein Ende finden kann.

Wenn etwas nachwirkt

Persönlich weitergehen

Du möchtest das Thema für dich weiterdenken? Wenn du dir dabei persönliche Begleitung wünschst, kannst du mir gerne schreiben.

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