Geheimhaltung soll uns schützen. Sie soll uns vor einer Erfahrung schützen, deren emotionales Erleben uns überfordern würde. Häufig ist das am Ende Einsamkeit (vor der uns die Scham schützen möchte: Würde die „Wahrheit“ ans Licht kommen, würde man uns angeblich ausstoßen, verlassen oder angreifen).
Paradoxerweise führt sie heute genau dazu, dass wir uns aufgrund unserer Geheimnisse isolieren. Und das erzeugt genau den Zustand, vor dem wir uns schützen wollen: Einsamkeit.
Unser Alltag wird dann von solchen Fragen dominiert:
Was darf ich sagen?
Was darf jemand sehen?
Bin ich noch ein richtiger Mann, wenn ich mich dresse?
Habe ich alles versteckt, bevor der Besuch kommt?
Was passiert, wenn die beiden Lebensbereiche aufeinandertreffen?
Wie würde mein Partner, meine Partnerin, meine Freunde oder mein berufliches Umfeld reagieren?
Irgendwann kostet nicht mehr nur das Thema selbst Energie. Sondern der permanente Versuch, dafür zu sorgen, dass niemand davon erfährt.
Welche Version von dir darf niemand sehen – und was kostet es dich, sie versteckt zu halten?